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Was ist eigentlich Prozesswärme?
Darum geht’s: Prozesswärme wird für viele Industrieprozesse benötigt und meist aus fossilen Brennstoffen erzeugt. Zukünftig soll ihre Bereitstellung CO2 neutral gelingen.
Wie wäre es mit einem schönen warmen Schokoladenkuchen aus dem Ofen, jetzt wo die Tage draußen kühler werden? Die Wärme der Raumheizung sorgt in der Küche für angenehme Temperaturen. Die Zutaten für unseren Schokoladenkuchen verändern sich durch sie jedoch nicht. Dafür ist die Ofenhitze verantwortlich, die aus dem flüssigen Teig – zum Beispiel bei 180 Grad – einen schönen festen Schokoladenkuchen macht. Hier wird Wärme zum Werkzeug. Ohne diese thermische Energie, unsere Prozesswärme, gäbe es keinen Kuchen.
Auch in der Industrie wird Prozesswärme für die Ver- und Bearbeitung von vielen Materialien benötigt. Sie macht sogar satte zwei Drittel des sogenannten Endenergieverbrauchs in der Industrie aus. Der Haken: Bisher wird nur ein geringer Teil der Prozesswärme durch erneuerbare Energien oder der Elektrifizierung bereitgestellt. Ein Großteil stammt nach wie vor aus fossilen Energieträgern. Die Prozesswärme muss also dringend modernisiert werden. Das wiederum bietet aber auch viel Potenzial für Effizienzsteigerungen. Technisch ist die Umstellung industrieller Prozesswärme in Deutschland bis 2045 möglich, schätzen Experten.
Bund fördert Maßnahmen zur Dekarbonisierung der Prozesswärme
Der Bund fördert Maßnahmen zur Dekarbonisierung der Prozesswärme etwa über die Bundesförderung für Ressourcen- und Energieeffizienz in der Wirtschaft (EEW) und die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK). Sogenannte CO2-Differenzverträge helfen energieintensiven Industrieunternehmen ebenfalls dabei, zukunftsfähige, CO2-arme Produktionsanlagen zu errichten und zu betreiben.
Um die Modernisierung der Prozesswärme weiter voranzubringen hat das BMWE im September 2026 einen Stakeholder-Dialog gestartet. Dieser soll einen pragmatischen Dialog mit der Wirtschaft führen, Hürden abbauen, Investitionen beschleunigen und Innovationen marktreif machen. Er richtet sich an Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die gemeinsam über Investitions- und Umsetzungsbedingungen für die Modernisierung der Prozesswärme diskutieren und Handlungsempfehlungen erarbeiten sollen.
Zentraler Baustein für einen wettbewerbsfähigen Industriestandort
Frank Wetzel, Staatssekretär im BMWE, sagte dazu: „Die Modernisierung der Prozesswärme ist ein zentraler Baustein für einen wettbewerbsfähigen Industriestandort Deutschland. Wir müssen sie beschleunigen, um unsere Technologieführerschaft zu behaupten“.
Begleitet wird der Dialog von einem Beirat mit Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) und des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE). Die Deutsche Energieagentur (dena), das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) sowie KPMG Law unterstützen die fachliche und organisatorische Umsetzung des Dialogs.
Dekarbonisierung der Prozesswärme: Praxisbeispiele im großen Stil
Doch zurück zum Schokoladenkuchen. Zwar kann man im Einfamilienhaus schon längst mit Prozesswärme backen, die aus erneuerbaren Energien stammt - aber wie sieht es mit Praxisbeispielen im großen Stil aus? Auch die gibt es bereits: Der Schokoladenhersteller Ritter Sport etwa dekarbonisiert im schwäbischen Waldenbuch seine Schokoladenproduktion: Durch Großwärmepumpen und die Nutzung von Fabrikabwärme werden künftig 90 Prozent des Wärmebedarfs gedeckt, was jährlich 25 Gigawattstunden Erdgas einspart.
Ein anderes Beispiel aus der Industrie liefert BASF, das für seine Produktion in Ludwigshafen auf „Grünen Dampf“ setzt: Eine Wärmepumpe nutzt die Abwärme eines Steamcrackers, um Dampf für die Ameisensäureproduktion zu erzeugen und um sich so unabhängiger von Erdgas zu machen.