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Nächste Ausfahrt Systemstabilität
Am 6. Dezember 2023 war die gemeinsam mit den Branchen erarbeitete Roadmap Systemstabilität beschlossen worden. Sie ist ein zentraler Baustein für den Umbau des Stromsystems. Mit ihr wurde festgelegt, welche Aufgaben in welchen Prozessen bis zu welchem Zeitpunkt bearbeitet werden sollen. Dieses Was-Wer-Wann-Prinzip gilt für alle 51 Prozesse und 18 Meilensteine, die der Fahrplan umfasst.
Im September 2026 haben Stakeholder aus Politik und Energiewirtschaft auf der zweiten Konferenz „Roadmap Systemstabilität“ des BMWE in Berlin nun eine erste Bilanz gezogen: Was wurde bisher erreicht, wie zufrieden sind die Beteiligten mit der bisherigen Arbeit? Wo muss nachgesteuert und zum Beispiel auf neue Entwicklungen und Herausforderungen reagiert werden?
Roadmap: Aktualisierungen vor allem beim Thema Resilienz
Die Zufriedenheit mit der gemeinsamen Arbeit ist bisher groß, Aktualisierungen braucht es trotzdem: vor allem beim Thema Resilienz. Vier der 18 Meilensteine bis 2035 sind bereits geschafft. 26 von 51 Roadmap-Prozessen liegen gut in der Zeit. Zu den erfüllten Wegmarken gehören unter anderem die Ausschreibungen für sogenannte Blindleistung (seit 2025) sowie die marktgestützte Beschaffung von Momentanreserve. Auch wurde bereits ein Systemstabilitätsbericht zur Ermittlung des Bedarfs an Systemdienstleistungen erstellt.
Nun geht es darum, die Roadmap hinsichtlich des Zusammenspiels von Netzbetrieb und Marktprozessen zu aktualisieren und den Fahrplan noch gezielter auf die Stärkung der Widerstandsfähigkeit (Resilienz) des Stromsystems auszurichten. Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Frank Wetzel sagte dazu, die jüngsten Anschläge auf das Stromnetz in verschiedenen Regionen Deutschlands hätten gezeigt, dass die Versorgung zu keinem Zeitpunkt gefährdet war, das System aber durchaus verwundbar sei. Schwachstellen müssten identifiziert, Stromsysteme widerstandsfähig aufgestellt und die Stromversorgung in solchen Fällen so schnell wie möglich wieder aufgebaut werden.
Forschungsprojekt für schnelleren Rollout netzbildender Stromrichter
Während der Konferenz wurden die Roadmap-Prozesse aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Viel beachtet war auch das vorgestellte Forschungsprojekt „Boost-GFM“, das sich für die nächsten drei Jahre mit dem schnelleren Rollout netzbildender Stromrichter befassen soll und so die Umsetzung der Roadmap Systemstabilität unterstützt. Netzbildende Stromrichter dienen dazu, die Stromnetze jederzeit stabil zu halten. Hierfür stellen sie beispielsweise Momentanreserve bereit, zum sofortigen Ausgleich von Ungleichgewichten bei Stromerzeugung und Stromverbrauch.
Kernstück des Forschungsprojekts ist eine zentrale, offene Datenplattform, die Messdaten aus verschiedenen Quellen (beispielsweise Feldtests) mit standardisierten Formaten und Schnittstellen zusammenführt und so wissenschaftliche Analysen zum realen Systemverhalten netzbildender Anlagen sowie zu deren Relevanz für die Systemstabilität möglich macht. So werden mögliche negative Effekte auf die Systemstabilität frühzeitig erkannt.
In den vergangenen knapp drei Jahren hat sich gezeigt: Möglich wird die Erfüllung der Meilensteine und Prozesse der Roadmap Systemstabilität vor allem durch die konstruktive und aktive Mitarbeit vieler Akteure der Branchen. Dazu zählen Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber, Anlagenhersteller, Verbände, Normungsgremien und Vertreter der Wissenschaft. Die Umsetzung der Roadmap Systemstabilität wird durch das BMWE und die Bundesnetzagentur unterstützt und begleitet.