© BVG, Christian Retzlaff
Deutlich mehr Elektrobusse auf Deutschlands Straßen
„Ihr könnt uns nicht riechen? Finden wir super“, steht in großen weißen Lettern am knallgelben Bus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der sich trotz beachtlicher Länge gerade elegant durch den Berliner Stadtverkehr schlängelt. Statt des üblichen Dieselgeruchs gibts an der Haltestelle nur Frühlingsluft und ein leises Summen. Der Bus ist einer von immer mehr Elektrobussen, die auf deutschen Straßen Menschen, Räder und an diesem Tag viele große und kleine Koffer und Taschen von A nach B befördern.
Elektrobusse: 65 geförderte Verkehrsunternehmen in 13 Bundesländern
Bereits seit 2018 haben zunächst das BMUV und später das BMWK bundesweit die Anschaffung von sogenannten batterieelektrischen Stadtbussen gefördert. In 50 Förderprojekten wurden dabei mehr als 65 Verkehrsunternehmen in 13 Bundesländern unterstützt. Schafften die Verkehrsbetriebe mindestens fünf Elektrobusse an, die zu 100 Prozent erneuerbaren Strom nutzen, konnten sie dafür eine Förderung von bis zu 80 Prozent der Investitionskostendifferenz zu einem Dieselbus erhalten.
Bis Ende 2023 wurden so insgesamt 1.489 Busse und rund 1.000 Ladepunkte durch die geförderten Unternehmen angeschafft. Rund zwei Drittel aller Elektrobusse in Deutschland gehen damit auf das Förderprogramm zurück. Daneben hat insbesondere ein Förderprogramm des BMDV zum weiteren Bestand beigetragen. Allein durch das BMWK-Förderprogramm wuchs außerdem die Zahl der batterieelektrischen Busse auf deutschen Straßen im Vergleich zu 2018 um das Fünfzehnfache. Das ist das Ergebnis der Ende Dezember 2024 vorgestellten Begleitforschung zur Förderung von Elektrobussen im ÖPNV.
50 Prozent aller Elektrobusse in Deutschland von deutschen Herstellern produziert
Die Studie eines Konsortiums um PricewaterhouseCoopers zeigt weiter, dass die Förderung die Marktreife und Verfügbarkeit von E-Bussen erheblich gesteigert hat. Als das Förderprogramm 2018 aufgelegt wurde, gab es noch keine batterieelektrischen Serienbusse aus deutscher Produktion. Chinesische Hersteller waren technologische Vorreiter. Durch die planbare Nachfrage auf dem Heimatmarkt unterstützte das Förderprogramm die deutschen und europäischen Hersteller dabei, entsprechende Fahrzeuge auf den Markt zu bringen und zu den Weltmarktführern aufzuschließen. So stammen rund 96 Prozent der geförderten Busse von europäischen, fast 50 Prozent von deutschen Herstellern – bei steigender Tendenz.
Die Elektrobusse sind auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz im Verkehr: Über ihre Lebensdauer hinweg werden sie voraussichtlich etwa 920.000 Tonnen CO2 einsparen. Auch die Emission von Stickoxiden und Feinstaub in den städtischen Einsatzgebieten wurde der Studie zufolge deutlich reduziert.
Batteriegrößen reichen inzwischen auch für große Tagesfahrleistungen
Sie unterstreicht außerdem, dass auch bei der Nutzung des deutschen Strommixes batterieelektrische Busse aus dem Jahr 2023 über ihre Lebensdauer bereits mehr als die Hälfte der Klimaemissionen eines vergleichbaren Dieselbusses einsparen. Mit dem steigenden Anteil Erneuerbarer Energien am Strommix wird sich das in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter verbessern. Die Auswertung der Fahrdaten der geförderten Busse bescheinigt ihnen, ein vollwertiger Ersatz für Dieselbusse zu sein: Ihre Batteriegrößen reichen inzwischen auch für große Tagesfahrleistungen. 172 Kilometer betrug sie durchschnittlich im Jahr 2023.
Wasserstoffbusse werden dagegen trotz technischer Marktreife unter den Stadtbussen absehbar nur eine begrenzte Rolle spielen. Denn die Betriebskosten für Brennstoffzellenbusse bleiben auch zukünftig höher als die von batterieelektrischen Bussen. So planen auch die befragten Verkehrsbetriebe, zukünftig vor allem Elektrobusse in ihre Flotten aufzunehmen. Bitte alle einsteigen!