Chemnitz zur Energie-Kommune des Jahres 2024 gewählt © Dirk Hanus

Chemnitz ist Energie-Kommune des Jahres 2024

Mitte Februar 2025 hat die Agentur für Erneuerbare Energien erstmals den Preis für die Energie-Kommune des Jahres vergeben - unter Schirmherrschaft des BMWK. Die Siegerkommune Chemnitz zeigt, wie die Weiterentwicklung einer Stadt kulturell, industriell und klimaschonend gelingen kann.

Am 17. Februar 2025 stand der Sieger fest: Das sächsische Chemnitz sicherte sich den ersten Platz bei der Wahl zur Energie-Kommune des Jahres, die erstmals von der Agentur für Erneuerbare Energien und unter Schirmherrschaft des BMWK ausgerichtet worden war.

Seit Anfang Januar 2025 konnten die Bürgerinnen und Bürger unter den zwölf Energie-Kommunen des Jahres 2024 ihren Favoriten wählen. Den zweiten und dritten Platz belegten das niedersächsische Bundorf und die Universitätsstadt Tübingen (Baden-Württemberg). Das 2025 gemeinsam mit 38 Städten und Gemeinden aus Mittelsachsen, dem Zwickauer Land und dem Erzgebirge bereits zur Kulturhauptstadt Europas gekürte Chemnitz kann sich damit schon mit der zweiten Auszeichnung in diesem Jahr schmücken.

Das ehemalige Textilzentrum ist heute die drittgrößte Stadt Sachsens und ein wichtiger Standort für die Automobilindustrie und den Maschinenbau, aber auch eine Blaupause für klimaschonende Stadtentwicklung. Anfang des Jahres ging das letzte Kohlekraftwerk der Stadt vom Netz. Ersetzt wird es von zwei Motorenheizkraftwerken (kurz MHKW), die Strom und Wärme für die Metropole produzieren. Sie können Erdgas, Biogas, synthetisches Gas und bis zu 20 Prozent Wasserstoff im Gasgemisch verbrennen. Zukünftige Motorenheizkraftwerke sollen mit bis zu 100 Prozent Wasserstoff betrieben werden können.

2040 will Chemnitz klimaneutral sein

Im Jahr 2040 will Chemnitz klimaneutral sein und hat dafür bis heute schon viel getan. 2019 entwickelte die Kommune ein eigenes Klimaschutzkonzept. Bereits 2022 wurde Chemnitz zu Deutschlands Solarhauptstadt 2022 gekürt - mit stolzen 290 Kilowatt (kW) installierter Solarleistung pro 1.000 Einwohner. Sowohl Privatanlagen als auch Anlagen auf städtischen Gebäuden tragen dazu bei. Ähnlich viel schafften auch Erfurt (270 kW), Halle/Saale (260 kW) und Münster (250 kW).

Und da die Sonnenenergie in Städten vor allem auf Dächern und an Fassaden geerntet wird, wundert es nicht, dass Chemnitz auch Gründungsmitglied des „Europäischen Netzwerks für Kreative Dachnutzungen“ ist. Gemeinsam mit Amsterdam, Antwerpen, Barcelona, Belfast, Faro, Göteborg, Nikosia und Rotterdam will das Netzwerk Dachlandschaften entwickeln, bei denen neben Photovoltaik auch Klimaanpassungen, Kunst und Kultur eine große Rolle spielen.

Zehn Prozent des städtischen Strombedarfs mit Erneuerbaren gedeckt

Zehn Prozent des städtischen Strombedarfs wurden 2024 von Erneuerbaren Energien erzeugt, doppelt so viel wie noch 2013. Ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von etwa 16 MW sorgt für die notwendige Flexibilität im Stromsystem der Stadt und spart jährlich rund 46.000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) ein. Chemnitz beteiligt sich außerdem am European Energy Award (EEA), dem europäischen Zertifizierungsverfahren für die Klimaschutzarbeit einer Kommune und wurde 2023 mit 78,2 Prozent bereits zum dritten Mal in Folge mit dem EEA ausgezeichnet.

Die städtische Wärmewende klappt im Chemnitzer Quartier Brühl aus der Gründerzeit auch ohne Mieterhöhung – unter anderem dank gezielter Förderung, sinkender Betriebskosten und offener Kommunikation. 2016 wurden ein 1.800 Quadratmeter umfassendes Solarthermiefeld und ein solarer Wärmespeicher in unmittelbarer Nähe zum Brühl in Betrieb genommen.

Solaranlagen am Umweltlehrpfad

Die Solaranlagen liegen an einem Umweltlehrpfad, der von Familien gern genutzt wird. Zwischen den Solarpanelen halten Schafe das Grün kurz, sodass der Einsatz von Maschinen nicht notwendig ist. Kinder erleben so Tiere und Technik vereint inmitten der Stadt. In der Solarthermieanlage wird Wasser durch Solarenergie erhitzt und je nach Wärmenachfrage in das Quartiers-Fernwärmenetz eingespeist oder dem 1.000 Kubikmeter großen Wärmespeicher zugeführt. Mehr als vier Kilometer Wärmeleitungen führen heute zu den Haushalten im Brühl.

„Der Brühl in Chemnitz hat mit einem neuen Niedertemperatur-Fernwärmenetz (LowEx) und der energetischen Sanierung des Gründerzeitquartiers eine Beispielrolle für eine ökologische, sozialverträgliche und nachhaltige Energieversorgung eingenommen“, erklärt die Abteilungsleiterin für Stadterneuerung im Stadtplanungsamt Chemnitz Grit Stillger.

Auch die innovative Nutzung von Windkraftpotentialen, Power-to-X-Technologien und Mobilitätskonzepten mit umweltfreundlichem Wasserstoff sind wichtige Standbeine der Energie-Kommune des Jahres 2024. Weitere Informationen dazu und zur Auszeichnung „Energie-Kommune des Jahres“ finden Sie hier.

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