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Energiewende in der Industrie
Der Turbo für klimaneutrale Schlüsseltechnologien läuft © Adobe Stock / Siti

Der Turbo für klimaneutrale Schlüsseltechnologien läuft

Mit der europäischen Verordnung „Net-Zero Industry Act“ sollen die Produktionskapazitäten für sogenannte Netto-Null-Technologien in der EU gesteigert werden. Eine Zwischenbilanz ein Jahr nach Inkrafttreten.

Damit Europas Industrien möglichst klimaneutral wirtschaften können, braucht es neue Technologien, die unter anderem auf den Einsatz erneuerbarer Energien und eine hohe Energieeffizienz ausgelegt sind. Das hilft, die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen, die Energieabhängigkeit zu reduzieren und die Klima- und Energieziele zu erreichen.

Um die Produktion solcher Schlüsseltechnologien anzukurbeln und zu stärken, hat die EU vor etwas mehr als einem Jahr den Net-Zero Industry Act (NZIA) beschlossen und in Kraft gesetzt. Seit dem 29. Juni 2024 gilt die Verordnung unmittelbar. Bis 2030 soll die EU mit diesem Turbo für klimaneutrale Schlüsseltechnologien mindestens 40 Prozent ihres jährlichen Bedarfs an Netto-Null-Technologien (NNT) selbst decken können.

Um das zu erreichen, sieht der NZIA verschiedene Maßnahmen vor, darunter die mitgliedstaatliche Anerkennung, zügigere Genehmigungen, die Erhöhung der Speicherleistung für CO2, Anreize für Investitionen und einen besseren Marktzugang sowie die Förderung von Innovationen und den Ausbau von Kompetenzen. 

NZIA-Projekte zur Fertigung von Netto-Null-Technologien

Unter den Anwendungsbereich des NZIA fallen alle Projekte zur Fertigung von Netto-Null-Technologien, etwa für Solartechnologien, Windkraft, Wasserkraft, Batterie- und Speicherlösungen, Wärmepumpen- und Wasserstofftechnologien, Stromnetztechnologien oder auch solche für nachhaltige alternative Kraftstoffe und energiesystembezogene Energieeffizienztechnologien (z. B. Lösungen für Wärmenetze).

Zentrale Kontaktstellen sollen europaweit als Anlaufstellen für NNT-Projekte sichtbar sein und im behördlichen Kontakt unterstützen. Der NZIA ermöglicht den EU-Mitgliedstaaten außerdem die Ausweisung sogenannter Beschleunigungstäler für Netto-Null-Technologien (Valleys). In Deutschland arbeiten die Lausitz, das Rheinische Revier, Nordniedersachsen und Schleswig-Holstein derzeit daran, ein Net-Zero Acceleration Valley zu werden.

Deutschland setzt sich für eine zügige, möglichst innovationsfreundliche und praxisnahe nationale Ausgestaltung des NZIA ein. Mitte Juni 2025 hatten sich etwa 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Ländern, EU und Verbänden auf einer hochrangigen Veranstaltung zum NZIA ausgetauscht und waren sich einig: Deutschland steht gut da im europäischen Vergleich, die Durchführung des NZIA ist gut angelaufen. Neben den vier potenziellen NZIA-Valleys gibt es bereits drei anerkannte strategische Projekte - in Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Ein weiteres in Sachsen-Anhalt befindet sich in Prüfung. Solche Projekte zur Produktion von Netto-Null-Technologien im Sinne des NZIA können auf Antrag als strategisches Projekt anerkannt werden.

Bund und Länder arbeiten bei der Ausgestaltung eng zusammen

Der Antrag wird bei der Europäischen Kommission eingereicht und auf Bundesländerebene bearbeitet. Die Regionen sehen großes Potenzial in der Ausweisung von Valleys und Anerkennung strategischer Projekte. Die durch den NZIA definierten Vorgaben können der strategischen Ausrichtung dienen und Projekten Leuchtturmcharakter verleihen. Damit wird insbesondere die Aussicht verbunden, für Investoren auch auf europäischer Bühne sichtbar zu sein.

Bund und Länder arbeiten bei der nationalen Ausgestaltung des NZIA eng zusammen. Das Zusammenspiel funktioniert sehr gut, auch, da frühzeitig gemeinsame Verfahrensweisen zur Bund-Länder-Zusammenarbeit entwickelt wurden.

Auf nationaler Ebene steht nun die nähere Ausgestaltung der Anforderungen zur CO2-Abscheidung und -Speicherung (Sanktionen) und zu Resilienz-Auktionen an. Sie sollen neben dem Preiskriterium auch qualitative Kriterien bei Erneuerbaren-Energien-Auktionen berücksichtigen. Die Auktionen werden so dazu beitragen, Lieferketten der Netto-Null-Industrien zu diversifizieren und europäische Hersteller zu stärken.

Die europäische Kommission hat im Mai 2025 ein Umsetzungspaket mit drei Durchführungsrechtsakten, zwei delegierten Rechtsakten und einer Mitteilung auf den Weg gebracht. Auf EU-Ebene folgen noch nachgeordnete Rechtsakte, insbesondere in den Bereichen der Reallabore und der öffentlichen Beschaffung.

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