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Forschende entwickeln interaktive Erdwärmekarte für Deutschland
Private Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer, Kommunen oder Fachbetriebe können jetzt mit nur wenigen Klicks auf GeotIS (kurz für „Geothermisches Informationssystem“) prüfen, ob ihr Standort grundsätzlich für Erdwärmesonden geeignet ist. Die Farben Grün, Gelb und Rot kennzeichnen die verschiedenen Gegebenheiten. Grün bedeutet „uneingeschränkt geeignet“, Rot steht dagegen für „nicht geeignet“ und die Farbe Gelb kennzeichnet Gebiete mit Einschränkungen – etwa, wenn Bohrungen nicht in der üblichen Tiefe möglich sind.
„Grundsätzlich sind aber auch diese Regionen für erdgekoppelte Heizungen geeignet“, stellt Prof. Dr. Inga Moeck, Abteilungsleiterin am LIAG-Institut für Angewandte Geophysik und Professorin an der Georg-August-Universität Göttingen, klar. Zum Beispiel könne man in solchen Fällen zwei 50 Meter lange Sonden einsetzen, statt einer einzelnen Sonde von 100 Meter Länge. Inga Moeck koordiniert die Arbeiten im Forschungsprojekt WärmeGut.
Die Staatlichen Geologischen Dienste aller 16 Bundesländer haben dabei unterstützt, die in ihren Behörden existierenden Daten in eine einheitliche, einfach zugängliche Form zu überführen. Angesichts der großen Datenmengen war das keine einfache Aufgabe. Auch lagen die Daten mal auf Papier, mal als Excel-Tabellen vor. Die interaktive, digitale Karte ist deshalb sowohl für den Ausbau entsprechender Heizsysteme als auch für die Geothermie-Forschung ein wertvolles Instrument.
Erdwärmesonden werden besonders häufig genutzt
Die bundesweite Karte bezieht sich aktuell auf Erdwärmesonden. Sie sind das am häufigsten genutzte System für erdgekoppelte Heizsysteme. Rund 100 Meter lange Rohre werden dafür in ein vertikales Bohrloch gesetzt und mit einer Wärmeträgerflüssigkeit gefüllt. Um die Rohre herum wird die Bohrung mit besonders gut wärmeleitendem Zement verfüllt. Diese Sonden werden mit einer Wärmepumpe kombiniert, um die benötigte Heiztemperatur zu erzeugen. Daneben gibt es noch zwei weitere Varianten erdgekoppelter Heizsysteme, die ebenfalls mit einer Wärmepumpe kombiniert werden: Erdwärmekollektoren liegen in rund zwei bis fünf Metern Tiefe horizontal im Boden. Sie brauchen deshalb mehr Fläche als die Sonden. Erdwärmebrunnen schließlich benötigen vorhandene Grundwasserleiter in etwa 15 Meter Tiefe.
Geothermie-Potenziale für die kommunale Wärmwende nutzen
Die Forschenden arbeiten bereits an weiteren Karten, die die regionalen Gegebenheiten für Erdwärmekollektoren und Erdwärmebrunnen visualisieren können. Die verschiedenen Karten sollen künftig als Unterstützung für die kommunale Wärmeplanung genutzt werden. Auf interaktiven Potenzialkarten lässt sich dann die nutzbare Wärmeenergie für den jeweiligen Standort berechnen. „Kommunen können schauen, wie viel Prozent des jeweiligen Wärmebedarfs die Geothermie abdecken kann“, erklärt Inga Moeck.
Forschungsprojekt unterstützt Ziele zum Geothermie-Ausbau
WärmeGut ist deshalb ein zentrales Forschungsprojekt im Rahmen der Eckpunkte für eine Erdwärmekampagne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE). Darin sind Maßnahmen beschrieben, mit denen das Potenzial der Geothermie für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Deutschland erschlossen werden soll. Während die fertiggestellte interaktive Karte auf GeotIS den Zugang zu Informationen über Erdwärmesonden vereinfacht, hat die Bundesregierung am 6. August 2025 den Entwurf des Geothermie-Beschleunigungsgesetzes im Kabinett beschlossen. Der Abbau von Hemmnissen soll dazu beitragen, Geothermie schneller zu erschließen. Für private Haushalte kann es zudem leichter werden, eine Zulassung für die eigene Wärmepumpe zu erhalten.
Weiterführende Informationen:
- News auf energieforschung.de: „Bundesweite Karten fertiggestellt: Potenzial für Erdwärmesonden mit ein paar Klicks finden“
- Förderschwerpunkt Geothermie im 8. Energieforschungsprogramm des BMWE
- Entwurf des Geothermie-Beschleunigungsgesetzes
- Eckpunkte für eine Erdwärmekampagne des BMWE
- Newsletter „Energieforschung aktuell“
- Geothermisches Informationssystem - Aktuelle Forschungsdaten zu Potential und Nutzung geothermischer Energie