© BMWE, Datenbasis: IRENA
IRENA: Trotz Rekordjahr 2024 weltweit mehr Tempo bei den Erneuerbaren nötig
Die Tinte unter der von 120 Staaten im Rahmen der Weltklimakonferenz COP28 im Dezember 2023 in Dubai unterzeichneten Erklärung war noch nicht trocken, da musste die Umsetzung des darin vereinbarten ambitionierten Ziels eigentlich sofort beginnen. Die Zeit drängt: Bis 2030, so lautet die gemeinsame Willensbekundung, sollen sich die Kapazitäten der Erneuerbaren Energien verdreifachen. Der im Vorfeld der COP30 von der IRENA vorgelegte Fortschrittsbericht nennt weltweit neue Rekordmarken bei den Zubau-Zahlen. Mitherausgeber des Berichts sind die brasilianische COP30-Präsidentschaft und die Global Renewables Alliance (GRA).
Um mehr als 15 Prozent sind die Erneuerbaren-Kapazitäten laut des Papiers allein 2024 gestiegen. Fast 600 Gigawatt (GW) mehr Leistung kamen im vergangenen Jahr dazu. Den größten Teil steuerte die Photovoltaik mit mehr als 450 Gigawatt bei, gefolgt von Windenergie (114,3 GW), Wasserkraft (9,3 GW), Biomasse (5,1 GW) und Geothermie (1,0 GW).
Trotz der Rekordzuwächse bleibt die Welt beim Erneuerbaren-Zubau und im Bemühen um mehr Energieeffizienz hinter den Zielen zurück. Denn für das Erreichen der angestrebten 11,2 Terawatt (TW) im Jahr 2030 ist laut des Berichts ein jährlicher Zubau von 1.122 GW notwendig. Das würde ein jährliches Wachstum von 16,6 Prozent bedeuten.
Energieeffizienz genauso wichtig wie der Erneuerbaren-Ausbau
Die Energieeffizienz sei ein ebenso großes Anliegen wie der Erneuerbaren-Ausbau, heißt es weiter. Auch hier sieht der Fortschrittsbericht großen Handlungsbedarf. Denn die globale Energieintensität verbesserte sich im Jahr 2024 um nur ein Prozent und lag damit weit unter den jährlich notwendigen Zuwächsen von vier Prozent. Diese sind auch erforderlich, um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu gefährden, warnt die IRENA. Das 1,5 Grad-Ziel besagt, dass die Erderwärmung auf diesen Wert (gegenüber dem vorindustriellen Niveau) beschränkt werden soll, um die schlimmsten Auswirkungen des globalen Klimawandels zu verhindern. Verankert wurde das im sogenannten Pariser Klimaabkommen (Abkommen von Paris) im Jahr 2015.
Der Bericht empfiehlt dringend, die Ziele für Erneuerbare Energien in die nationalen Klimapläne (NDC 3.0) zu integrieren, die gemeinsamen NDC-Ziele zu verdoppeln, um sie an das globale Ziel für Erneuerbare Energien anzupassen und die Investitionen in diese im Zeitraum 2025 bis 2030 auf mindestens 1,4 Billionen US-Dollar pro Jahr zu erhöhen. Das ist also doppelt so viel wie die 624 Milliarden US-Dollar, die 2024 investiert worden sind.
Industrie- und Schwellenländer müssen Vorreiterrolle übernehmen
Gemäß den Empfehlungen des neuen Berichts müssen die weltweit führenden Industrie- und Schwellenländer noch stärker eine Vorreiterrolle übernehmen. Prognosen zufolge werden die G20-Staaten bis 2030 über 80 Prozent der weltweiten Erneuerbaren Energien decken. Dabei wird erwartet, dass die reichsten Industrieländer der G7 eine Führungsrolle übernehmen, indem sie ihren Anteil innerhalb dieses Jahrzehnts auf rund 20 Prozent der weltweiten Kapazität steigern.
Die großen Volkswirtschaften der Welt müssten auch im Bereich der Klimafinanzierung ihre Zusagen einhalten, heißt es weiter. Investitionen in Netze, Lieferketten und die Herstellung sauberer Technologien für Solar-, Wind-, Batterie- und Wasserstoffenergie seien ebenso dringend notwendig.
Bis 2030 müssen beispielsweise demnach jährlich schätzungsweise 670 Milliarden US-Dollar in Stromnetze investiert werden. Darüber hinaus sind weitere Investitionen in den raschen Ausbau von Energiespeicherlösungen, die Förderung der Integration Erneuerbarer Energien und die Sicherung der Netzstabilität erforderlich.
Internationale Experten betonen Dringlichkeit und Chancen
Sowohl IRENA-Generaldirektor Francesco La Camera als auch Ben Backwell, Vorsitzender der Global Renewables Alliance, betonten die Dringlichkeit der empfohlenen Maßnahmen und wiesen auf die großen Chancen des Ausbaus Erneuerbarer Energien hin. Francesco La Camera: „Dieser Bericht zeichnet den Weg vor: Beschleunigung der Bereitstellung, Modernisierung der Stromnetze, Skalierung sauberer Technologien und Stärkung der Lieferketten. Jeder investierte Dollar bringt Wachstum, Arbeitsplätze und Energiesicherheit.“ Ben Backwell: „Unsere Industrien, allen voran Wind-, Solar- und Wasserkraft, sorgen bereits für Wachstum, Arbeitsplätze und Sicherheit. Was wir jetzt brauchen, sind langfristige Regierungspläne, die den nationalen Ambitionen gerecht werden.“
Auch auf der aktuell laufenden UN-Klimakonferenz 2025 im brasilianischen Belém findet der IRENA-Bericht große Beachtung.
Weiterführende Informationen:
- IRENA-Pressemitteilung zum globalen Fortschrittsbericht: „Weltweit neue Rekorde bei Erneuerbaren Energien, aber für eine Verdreifachung bis 2030 muss es schneller gehen“
- IRENA-Report: “Delivering on the UAE Consensus: Tracking progress toward tripling renewable energy capacity and doubling energy efficiency by 2030” zum Download (Englisch)
- BMWE-Artikel: „Was sind eigentlich die "Nationalen Energie- und Klimapläne (NECP)?“