© gettyimages.de/iskrinka74
Kommunen schildern ihre Erfahrungen bei der Wärmeplanung
Wenn es draußen kälter wird, springen drinnen die Heizungen an. 30 Prozent der über ein Wärmenetz bereitgestellten Heizenergie soll bis 2030 aus Erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme (etwa aus Industrieprozessen oder Rechenzentren) kommen. Bis 2045 will Deutschland flächendeckend eine treibhausgasneutrale leitungsgebundene Wärmeversorgung schaffen. Fossile Energieträger, die für die Erzeugung von Wärme für Gebäude und Prozesse genutzt werden, müssen dafür also durch Erneuerbare Energien oder unvermeidbare Abwärme ersetzt werden.
Die Umstellung der Wärmeversorgung erfolgt vor allem lokal, also in Städten und Gemeinden. Deshalb verpflichtet das Wärmeplanungsgesetz (WPG) Kommunen dazu, einen Wärmeplan zu erstellen, in dem Wärmeversorgungsoptionen untersucht werden. Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern haben noch bis Mitte 2026 Zeit, einen solchen Wärmeplan für ihr Gebiet zu erstellen. Für kleinere Kommunen läuft die Frist Mitte 2028 aus.
Unterstützung beim Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW)
Unterstützung erhalten sie dabei vor allem beim Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) der dena in Halle (Saale). Egal, ob sie noch ganz am Anfang stehen oder schon weiter vorangeschritten sind: Neben einer breiten Wissensbasis stellt das KWW Informationsmaterial zum Prozess der Kommunalen Wärmeplanung sowie zu Technologien und gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Verfügung. Kommunen erhalten konkrete Einblicke in die Praxis und Einladungen in das KWW-Netzwerk sowie zu KWW-Veranstaltungen. Ihnen stehen umfangreiche Websites, Online-Tools und News zur angewandten Wärmeplanung zur Verfügung.
Die Mitte November veröffentlichte KWW-Kommunenbefragung 2025 zeigt, wie die Kommunen in Sachen Wärmeplanung bundesweit vorankommen. Im Vergleich zur Vorjahresbefragung stieg die Anzahl der Kommunen, die sich in der Durchführung befinden, um 20 Prozent. Dadurch liegen mehr konkrete Erfahrungen aus der Startphase vor.
Entscheidend sind aus Sicht der bereits erfahrenen Kommunen die Wahl eines geeigneten Dienstleisters, die frühe Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren wie Energieversorgern sowie eine frühe und gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Danach folgen der frühzeitige Beginn der Datenerhebung und klare Zuständigkeiten in der Verwaltung. An der bereits dritten KWW-Kommunenbefragung haben sich 967 Städte, Gemeinden und Landkreise beteiligt.
Wer gut vorbereitet ist, vereinfacht die gesamte Wärmeplanung
Robert Brückmann, Leiter des KWW, stellt fest: „Die meisten Stellschrauben und Hürden liegen am Beginn der Wärmeplanung. Ob es um die Kooperation von Ämtern und Unternehmen geht, um die Abfrage von Verbrauchs- und Bedarfsdaten oder um genügend personelle Kapazitäten. Die Befragung bestätigt, was wir schon oft beobachtet haben: Wer den Prozess gründlich vorbereitet, vereinfacht die gesamte Kommunale Wärmeplanung.“
Durchschnittlich 18 Monate benötigen die Kommunen laut der Befragung, um ihre Wärmeplanung fertig zu stellen. Größere Kommunen brauchten im Durchschnitt drei Monate länger (19,7), kleine kamen im Mittel mit nur 16,7 Monaten aus. Von den sechs Phasen einer Wärmeplanung war die Bestands- und Potenzialanalyse mit durchschnittlich fünf Monaten der größte Zeitfaktor. Die Kosten einer Wärmeplanung sind im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Sie liegen im Durchschnitt bei 3,79 Euro pro Einwohnerin und Einwohner, abhängig von Kommunengröße und Grundlagen.
Kommunen: fehlende personelle und finanzielle Ressourcen sind größte Hürden
Wie schon in den Vorjahren nennen die befragten Kommunen fehlende personelle und finanzielle Ressourcen als größte Hürden. Auch rechtliche Unsicherheiten, etwa bei der Verzahnung zwischen Gebäudeenergie- und Wärmeplanungsgesetz oder durch fehlende Landesgesetze, werden oft hervorgehoben. Als zentrale Herausforderung gelten weiterhin die Datenbeschaffung für die Bestandsanalyse sowie die Einbindung der Öffentlichkeit und von Fachakteuren. Um die Effizienz im Planungsprozess zu steigern, übernehmen vermehrt Verbandsgemeinden und Landkreise die Federführung für kleinere Gemeinden unter 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Neu in der diesjährigen Befragung sind die Einschätzungen der Kommunen zu den Zielszenarien der Wärmepläne. Oft zeigt sich die tatsächliche Umsetzbarkeit der Planungen demnach erst in der Praxis. 77 Prozent der befragten Kommunen mit Wärmeplan setzen bereits konkrete Maßnahmen um, darunter energetische Sanierungen und Effizienzsteigerungen an kommunalen Gebäuden sowie Machbarkeitsstudien, die einzelne Vorhaben aus den Wärmeplänen prüfen.
Noch schätzt fast jede fünfte Kommune mit abgeschlossenem Wärmeplan ihr Wissen zur Wärmeplanung als gering ein. Der Know-how-Aufbau zur Wärmeplanung in den Kommunen sei deshalb besonders wichtig, „gerade um zentrale Entscheidungen im Prozess selbst treffen zu können”, sagt Robert Brückmann.