Erneuerbare Energien
Abgebildet ist ein Segelschiff im Hafen. AEE

Greifswald ist Energie-Kommune des Jahres 2025

Ende Februar hat die Agentur für Erneuerbare Energien die Auszeichnung für die Energie-Kommune des Jahres vergeben. Die Sieger-Kommune Greifswald treibt die Wärmewende mit intelligenter Sektorkopplung konsequent voran.

Ganz Greifswald freut sich über die verdiente Auszeichnung zur Energie-Kommune des Jahres 2025, die unter Schirmherrschaft des BMWE jährlich vergeben wird. Von Dezember 2025 bis Januar 2026 konnten alle Bürgerinnen und Bürger unter den zwölf Energie-Kommunen des Jahres 2025 ihren Favoriten wählen und ihre Stimme abgeben, ganz gleich aus welcher Kommune sie kommen. Das Finale zwischen Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern), der Gemeinde Schwalmtal (Nordrhein-Westfalen) und dem Landkreis Regensburg (Bayern) entschied die Universitäts- und Hansestadt mit 42,3 Prozent der Stimmen für sich, gefolgt von Schwalmtal (35,8 Prozent) und dem Landkreis Regensburg (21,9 Prozent).

Die für die Energiewende so wichtige Sektorkopplung spielt in Greifswald eine große Rolle. Dabei wird Strom aus erneuerbaren Energien genutzt, um Wärme, Kälte und Antriebsenergie zu erzeugen. Und der kommt in Greifswald direkt „von der Sonnenbank“, wie die größte Solarthermieanlage der Bundesrepublik gerne scherzhaft genannt wird. Sie umfasst 3.792 Kollektoren und liefert jährlich rund 8.000 Megawattstunden (MWh). Das entspricht dem jährlichen Wärmebedarf von 800 bis 1.000 Haushalten und spart jährlich 1.800 Tonnen CO₂ ein. Mehr als 40 Millionen Euro wurden in Greifswald insgesamt in den Aufbau der nachhaltigen Wärmeversorgung investiert.

Durchdachter Mix aus Solar, Elektroheizkessel, Blockheizkraftwerk und Wärmespeichern

„Wir gratulieren der Stadt Greifswald und allen an der lokalen Energiewende beteiligten Akteuren zu dieser weiteren verdienten Auszeichnung“, sagte AEE-Geschäftsführer Dr. Robert Brandt. „Greifswald treibt die Wärmewende mit beeindruckender Konsequenz voran und zeigt mit intelligenter Sektorkopplung und überzeugenden Mobilitätskonzepten, welche positiven Wirkungen die Energiewende vor Ort entfalten kann.“ Die Stadt war bereits im Juni 2025 zur Energie-Kommune des Monats gewählt worden.

Zum innovativen Kraftwärmekopplungssystem (iKWK) in Greifswald gehören neben der Solarthermieanlage auch ein Elektroheizkessel zur Umwandlung von perspektivisch regenerativem (Überschuss-)Strom in Wärme sowie ein Blockheizkraftwerk zum Erhalt der KWK-Leistung (thermische Leistung 4,6 Megawatt, elektrische Leistung 4,2 Megawatt). Zusätzlich gibt es am Standort einen Druckwärmespeicher sowie einen etwa 5.500 Kubikmeter großen atmosphärischen Wärmespeicher.

Dieser verfügt über eine Kapazität von 200 Megawattstunden (MWh) bei einer Speichertemperatur von 98 Grad Celsius und kann im Sommer bis zu 30 Stunden Wärme für Greifswald zur Verfügung stellen, also Wärme für ein ganzes Wochenende. Unter anderem die KWK-Anlagen können so strompreisgeführt betrieben werden. Dabei werden elektrische Geräte oder Anlagen flexibel zu Zeiten betrieben, in denen der Strom besonders günstig ist.

Klimaneutrale Wärme von Ostern bis Oktober

Im vergangenen Jahr wurden zur Steigerung der Wärmeeffizienz die zwei bestehenden Gasturbinen durch das effizientere Blockheizkraftwerk Boddenluft (zweites iKWK-System) ersetzt, das mit einer Großwärmepumpe kombiniert wird. Dadurch stehen jährlich zusätzlich bis zu acht Millionen Kilowattstunden an emissionsfreier Wärme für die Fernwärmeversorgung der Kommune zur Verfügung.

So können die Stadtwerke von Ostern bis Oktober klimaneutrale Wärme bereitstellen. Zusammen mit der Blockheizkraftwerk-Anlage Kapaunenstraße in der Altstadt, welche mit Biomethan betrieben wird, beträgt der Anteil der erneuerbaren Fernwärmeerzeugung mittlerweile bis zu 20 Prozent der gesamten Fernwärmeerzeugung.

Insgesamt können so derzeit etwa 46.500 Tonnen CO₂ jährlich eingespart werden. Die im Energiepark stehende Gasturbine ist bereits für die Nutzung von Wasserstoff vorbereitet (H₂-ready). Die Zukunft der Küstengemeinde Lubmin als Hydrogen Hub spielt in der Zukunft der Greifswalder Wärmeversorgung eine große Rolle. Das große Fernwärmenetz ist hinsichtlich der Wärmeplanung der Kommune ein weiterer wichtiger Baustein. Hierüber können sehr viele Haushalte erreicht werden, wenn der Anteil erneuerbarer Energien bei der Erzeugung der Wärme weiter steigt. 70 Prozent sind bereits angeschlossen.

Klimafreundliche Mobilität ist Alltag im Greifswalder Stadtverkehr

„Auch im Bereich der Mobilität setzt Greifswald Maßstäbe. 44 Prozent der täglichen Wege werden hier mit dem Fahrrad zurückgelegt, von den knapp 10.000 Studierenden sogar über 90 Prozent“, betont Oberbürgermeister Stefan Fassbinder. Die klassischen Fahrzeuge im Stadtbusverkehr sind Biomethan betriebene Busse. Der Fuhrpark der Stadtwerke ist zur Hälfte elektrisch unterwegs.

Bereits im Mai 2007 verabschiedete die Greifswalder Bürgerschaft einstimmig ein Zehn-Punkte-Programm zur Energieeffizienz von Gebäuden, zur Nutzung regenerativer Energien, zur Verkehrs- und Radverkehrsplanung, aber auch für die Stärkung des Umweltbewusstseins in der Bevölkerung. 2008 wurde das Klimaschutzbündnis Greifswald gegründet, eine Kooperation lokaler Akteure wie etwa den Stadtwerken, der Uni und der Stadt. Bis 2035 will die frischgekürte Energie-Kommune des Jahres Klimaneutralität erreichen.

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