BMWE
Technologievielfalt für erfolgreiche Wärmewende
Herzstück des neuen Heizkraftwerks im bayrischen Memmingen, das am 12. März im Beisein von Bundesministerin Katherina Reiche eingeweiht wurde, ist der 13 Meter hohe Hackschnitzelkessel mit einer Leistung von fünf Megawatt (MW). Im Team mit solarbetriebenen Wärmepumpen und künftig auch der Einspeisung industrieller Abwärme ins Netz entsteht in Memmingen ein beispielhaftes technologieoffenes Fernwärmenetz, das von regionalen Wirtschaftsakteuren umgesetzt wird.
Die 30 Millionen Euro teure Investition wird mit elf Millionen Euro durch die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt. Die Bundesregierung unterstützt mit der BEW den Neubau von Wärmenetzen, wenn mindestens 75 Prozent der erzeugten Wärme aus Abwärme oder erneuerbaren Energien stammen. Auch der schrittweise Aus- und Umbau bestehender Wärmenetze mit dem Ziel der Treibhausneutralität wird mit bis zu 40 Prozent der Investitionskosten gefördert.
Innovatives 4-Leiter-Wärmenetz zur Nutzung industrieller Abwärme
Der Strom für die Memminger Wärmepumpen stammt aus Photovoltaikanlagen am nahen Flughafen. Die Hackschnitzel für den Kessel kommen aus regionalem Holz. Die Anlage arbeitet also vollständig mit regenerativen Energiequellen. Das Wärmenetz ist besonders vorausschauend geplant. Es soll perspektivisch bis zu 50 Megawatt (MW) Wärmeleistung erreichen. Werden mehr Großwärmepumpen benötigt, kann nach Bedarf aufgestockt werden.
Als innovativ und besonders effizient gilt auch das sogenannte 4-Leiter-Wärmenetz zur Nutzung industrieller Abwärme. Es verfügt über zwei Leitungen für die Fernwärme und zwei weitere für den Abwärme-Rücklauf. Durch die Abwärme aus Industrie und Gewerbe wird den Betrieben zunächst zugeleitetes Wasser erwärmt, das dann wieder zurück zum Heizkraftwerk fließt. Großwärmepumpen sorgen anschließend für die weitere Anhebung der Temperatur auf Fernwärmeniveau. Innovativ sind hier nicht vor allem die einzelnen Technologien, sondern die Verknüpfung der einzelnen Komponenten in einem skalierbaren Netz. Industrie und Gewerbe sind dabei sowohl Abnehmer von Fernwärme als auch Abwärme-Lieferanten.
Grundprinzip der Kombination regenerativer Wärmequellen auf viele Regionen übertragbar
Interessant ist das besonders für Kommunen, die Fernwärmenetze in der Nachbarschaft von Industrie- und Gewerbeanlagen planen. Übertragbar auf viele Regionen ist vor allem das Grundprinzip aus der Kombination mehrerer regenerativer Wärmequellen. Damit könnte das Wärmenetz in Memmingen mit seinem Technologiemix als wertvolles Beispiel für eine gelungene Wärmewende vor Ort dienen. Und diese ist eine zentrale Herausforderung der Energiewende, denn mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauchs entfällt in Deutschland auf die Wärme- und Kälteerzeugung.
Wärmenetze sind ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Wärmeversorgung. Sie ermöglichen die Einbindung von Wärme aus verschiedenen Quellen, etwa Flusswasser in Verbindung mit Wärmepumpen, tiefe und oberflächennahe Geothermie, Biomasse und schließlich industrielle Abwärme. Fernwärme wird vielfach zum Schlüssel, um neue nachhaltige Wärmequellen zu erschließen und besonders in Ballungsräumen mit eingeschränkten Flächen eine zukunftssichere Wärmeversorgung zu schaffen.
Die Bundesregierung unterstützt deshalb den Ausbau und die Modernisierung der Wärmenetze mit Zuschüssen, Bürokratieerleichterungen sowie Krediten und Garantien im Rahmen des Deutschlandfonds. Sie ermöglicht dabei die nötigen privaten Investitionen. Über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) stellt der Bund im Jahr 2026 rund 5,9 Milliarden Euro an Fördermitteln aus dem neuen Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität bereit.