Energiewende in Europa
Zu sehen ist Frau Reiche in der Türkei © Deutsch-Türkisches Energieforum

Deutschland und die Türkei erweitern Energiezusammenarbeit

Deutschland und die Türkei wollen ihre Zusammenarbeit bei Energie, kritischen Mineralien und resilienten Lieferketten ausbauen. Die Erweiterung der Energiepartnerschaft beider Länder gilt als wichtiges strategisches Ergebnis des 7. Energieforums im türkischen Ankara.

Auf dem 7. Deutsch-Türkischen Energieforum Mitte Juni in Ankara vereinbarten beide Länder, die bestehende Energiepartnerschaft zu einer Deutsch-Türkischen Energie- und Rohstoffpartnerschaft weiterzuentwickeln. Das Deutsch-Türkische Energieforum, das unter Federführung von Bundesministerin Katherina Reiche und des Ministers für Energie und natürliche Ressourcen Alparslan Bayraktar in Ankara mit rund 700 Teilnehmenden stattfand, gilt als ein zentraler Eckpfeiler der Energiezusammenarbeit beider Länder, die bereits seit dem Jahr 2012 besteht.

Energiesicherheit durch Diversifizierung und starke Partnerschaften

Das Forum stand unter dem Leitmotiv „Partnership for Energy Security“. Die Frage, wie Deutschland und die Türkei ihre Energiesysteme angesichts geopolitischer Spannungen, volatiler Märkte und fragiler Lieferketten widerstandsfähiger und zukunftsfähiger gestalten können, stand dabei im Mittelpunkt. Weitere zentrale Themen waren der Ausbau der erneuerbaren Energien, Netzinfrastrukturen und Netzflexibilität, Digitalisierung, Energieeffizienz, Wasserstoff und Derivate sowie Innovation und industrielle Transformation.

In ihrer Auftaktrede während des Forums betonte Bundesministerin Reiche, dass eine sichere Energieversorgung und industrielle Wettbewerbsfähigkeit heute untrennbar miteinander verbunden seien. Energie entscheide zunehmend darüber, wo Unternehmen investieren, wo industrielle Wertschöpfung entsteht und wie unabhängig Staaten wirtschaftlich und politisch handeln können.

Türkei spielt wichtige Rolle bei der Energieversorgung Europas

Deutschland und die Türkei stehen im Hinblick darauf vor vergleichbaren Aufgaben. Beide Länder wollen ihre Energieversorgung resilienter gestalten, Bezugsquellen diversifizieren und die Transformation ihrer Energiesysteme vorantreiben, während sie gleichzeitig wettbewerbsfähige, bezahlbare und stabile Energiesysteme gewährleisten müssen. Aufgrund der geografischen Lage, wachsender Energieinfrastrukturen und Verbindungen zu energieexportierenden Staaten hat die Türkei eine wichtige Rolle für die europäische Energieversorgung.

Gemeinsam mit Deutschland will das Land zukünftig verstärkt an resilienten Energiesystemen, der Integration erneuerbarer Energien, Speicherlösungen, Innovationen im Energiesektor und geeigneten regulatorischen Rahmenbedingungen arbeiten. Der türkische Staat verfolgt ambitionierte Ausbauziele: Der Strombedarf wird von heute rund 360 Terawattstunden (TWh) auf 510 TWh bis 2035 steigen. Investitionen von über 80 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien sind dafür geplant. Für deutsche Unternehmen ergeben sich daraus vielfältige Kooperations- und Geschäftsmöglichkeiten: etwa in den Bereichen erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher, Digitalisierung, Energieeffizienz, Wasserstoff, flexible Kraftwerke und intelligente Infrastruktur.

Energie- und Rohstoffsicherheit gemeinsam stärken

Deutschland und die Türkei erweitern ihre Energiepartnerschaft zukünftig um kritische Mineralien und wollen hier zusammenarbeiten. Die erweiterte Partnerschaft verbindet so künftig Energie- und Rohstoffsicherheit mit resilienten Lieferketten und nachhaltiger industrieller Entwicklung.

Drei Arbeitsgruppen und eine Task Force befassen sich dafür mit Themen der Energieresilienz, flexiblen Stromnetzen, der Digitalisierung der Energiesysteme, erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, der Regulierung der Gas- und Strommärkte, Wasserstoff und neuen Energieträgern, dem Schutz kritischer Energieinfrastruktur sowie Innovationen und Start-ups.

Privatsektor und Energiewende-Start-ups sind mit Investitionen und Projekten aktiv beteiligt. Auch das Start-up Side Event „Energy Start-up Showcase: Turkish-German Innovation Exchange“ während des gemeinsamen Energieforums konnte die Zusammenarbeit bei Energietechnologien weiter stärken. Das Energy Start-up Showcase dient langfristig als Plattform für Start-ups, Investoren, Unternehmen und öffentliche Institutionen zu Themen wie digitale Netze, Speicher, Energieeffizienz und intelligente Infrastruktur. Ziel ist es, Innovationen schneller in den Markt zu bringen, Pilotprojekte zu ermöglichen und die Zusammenarbeit zwischen jungen Unternehmen und etablierten Akteuren der Energiewirtschaft zu stärken.

Auch die Unterzeichnung mehrerer Absichtserklärungen, sogenannter Memoranda of Understandig (MoUs), soll die Energiezusammenarbeit beider Länder künftig weiter voranbringen: darunter eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei Flexibilitäts- und Dekarbonisierungslösungen für energieintensive Branchen, eine Absichtserklärung zur Stärkung grenzüberschreitender Start-up-Ökosysteme durch den Austausch von Start-ups, Talenten und Technologien in den Bereichen Energie und Klimatechnik sowie eine weitere Vereinbarung zur industriellen Zusammenarbeit im Bereich der erneuerbaren Energien mit Fokus auf Windenergieanlagen.

Gemeinsame Infrastruktur für die Sicherheit von morgen

Die zentrale Botschaft des 7. Energieforums lautet: Energiesicherheit entsteht nicht durch neue Abhängigkeiten oder Abschottung, sondern durch Diversifizierung, Investitionen und verlässliche Partner. Deutschland und die Türkei wollen diese Aufgabe gemeinsam angehen und aus den Herausforderungen von heute die wirtschaftlichen und technologischen Stärken von morgen entwickeln.

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